EDGE COMPUTING - ANWENDUNGSBEISPIELE IM UNTERNEHMEN

Wenn immer Datenverarbeitung mit sehr geringer Reaktionszeit des Rechners gefragt ist, die Daten aus Sicherheitsgründen möglichst nicht auf fremden Computern verarbeitet werden sollen und für die Datenverarbeitung aus Gründen der Kostenersparnis nicht auf fremde Datennetze zurückgegriffen werden soll, dann ist Edge Computing das Mittel der Wahl.

Computing steht für Datenverarbeitung. ‚Edge‘ ist auf Deutsch die Kante. Edge Computing ist also die Datenverarbeitung an der Kante. Dies ist nur zu verstehen, wenn man den Vergleich zur Cloud herstellt. In der Cloud erfolgt die Datenverarbeitung nicht an der Stelle oder an dem Ort, an dem die Daten entstanden sind. Vielmehr wird dazu auf große Rechnersysteme oder miteinander verbundene Rechenkapazitäten zurückgegriffen, die irgendwo stehen – daher der Ausdruck ‚in der Cloud‘ – aber nicht am Ort des Geschehens selbst. Im Unterschied zur Datenverarbeitung in der Cloud erfolgt diese beim Edge Computing direkt am Ort des Geschehens, dort wo die Daten anfallen.

Dieser Unterschied ist in der Praxis aus drei Gründen von erheblicher Bedeutung:

  1. Die Datenübertragung in die Cloud kostet Zeit. Dies ist das Problem der Latenz, also der Zeitspanne, die ein Rechner benötigt, bis er auf ein Signal reagieren kann. Wenn es darum geht, dass sehr schnell durch ein System auf ein Signal reagiert werden muss, kann die erforderliche Zeit zur Datenübertragung in die Cloud schon zu lang sein.
  2. Die Datenübertragung in die Cloud kostet aber auch Geld. Denn die genutzten Netze sind regelmäßig nicht die eigenen. Der fremde Netzbetreiber läßt sich die Nutzung des Netzes (teuer) bezahlen. Dies wird immer relevanter, je größer die übertrageneren Datenmengen werden, die zu sammeln sind, bevor auf ein Signal reagiert werden kann.
  3. Schließich spielt auch die Datensicherheit einer erheblich Rolle: Je mehr Daten ich vor Ort verarbeiten kann, desto bessere Kontrolle besteht über diese Daten. Und je mehr Kontrolle ich über meine Daten habe, welche ich für die Reaktion auf ein Signal benötige, desto eher bin ich im Sinne des Datenschutzes compliant.

DIE WICHTIGSTEN ECKPUNKTE

In gleicher Reihenfolge ergeben sich daraus im Umkehrschluss die drei großen Vorteile der Nutzung des Edge Computing im Unternehmen:

  • In Bereichen des Unternehmens, in denen sehr schnell – also mit einer geringen Latenz – auf Signale jedweder Art reagiert werden muss, ist das Edge Computing – also das Verarbeiten der Daten vor Ort – der Datenverarbeitung in der Cloud vorzuziehen. Bei kritischen Applikationen  – wir werden zu den Beispielen kommen – ist die Reaktionszeit auf Signale, welche erst in der Cloud verarbeitet werden, schlicht zu groß.
  • Die Datenverarbeitung vor Ort – an der ‚Edge‘ – ermöglicht es, zur Erstreaktion auf ein Signal ohne den Zugriff auf fremde Breitbandnetze auszukommen. Dies kann in Zeiten, in denen es bei der Produktion und im Betrieb großer Maschinen – man denke nur an Flugzeuge oder Windkraftanlagen – zu riesigen Datenmengen kommt, zu erheblichen Kosteneinsparungen führen. Beim Edge Computing werden die bereits verarbeiteten Daten lediglich am Ende des Prozesses noch zur Archivierung in die Cloud gestellt.
  • Beim Edge Computing ist ein höheres Maß an Datensicherheit gewährleistet als in der Cloud. Denn die Datenverarbeitung erfolgt vor Ort – manchmal wird auch von einer Verarbeitung in einer kleinen Wolke über dem Kopf des Betrachters gesprochen – und der vergleichsweise einfachere Angriff, während des Aufenthaltes der Daten in den Breitbandnetzen kann so nicht erfolgen (was natürlich nicht heißen soll, dass es keine Möglichkeit gäbe, das Edge Computing anzugreifen, es ist nur im Vergleich schwieriger).

WAS IST ZU TUN?

Aus den genannten Vorteilen ergeben sich drei konkrete Anwendungsbeispiele des Edge Computing in der Praxis, welche heute bereits zum Einsatz kommen:

  • Das erste Anwendungsbeispiel beruht auf dem Vorteil des Edge Computing, dass es besonders schnell ist, also ohne Zugriff auf die Cloud Daten vor Ort sehr schnell verarbeiten kann – und muß. Stellen Sie sich eine teilautomatisierte Fabrikhalle vor, in der Roboterfahrzeuge selbständig irgendwelche Teile der Produktion zubringen. Durch einen kurzen Stromausfall befinden sich zwei dieser teuren selbststeuernden Fahrzeuge auf Kollisionskurs. An dieser Stelle besteht keine ausreichende Zeit um Daten über den drohenden Zusammenstoß in die Cloud zu übertragen. Vielmehr muß eine große Datenmenge gleich vor Ort verarbeitet werden können, um einen Zusammenstoß zu vermeiden. Das Beispiel läßt sich auf alle Bereiche des autonomen Fahrens übertragen.
  • Große Kosten für die Nutzung fremder Breitbandnetze lassen sich zum Beispiel einsparen, wenn große Maschinen innerhalb eines Netzverbundes (aber lokal zusammenstehend) miteinander kommunizieren müssen. Beim Betrieb einer Windturbine entstehen sehr große Datenmengen. Diese müssen beim sicheren Betrieb eines Windparks mit den Daten anderer Turbinen verknüpft werden. Edge Computing ermöglicht dies ohne die Hilfe externer Netze. Dies hat besondere Bedeutung bei vorausschauenden Wartungsplanung, bei der die Entstehung von Schäden an den Turbinen prophylaktisch verhindert werden soll.
  • Auf besondere Sicherheit der verarbeiteten Daten kommt es im Krankenhaus an, wo es immer um die Daten einzelner Menschen geht. Je mehr Daten, welche z.B. bei der Überwachung des Gesundheitszustands eines Patienten auf einer Intensivstation entstehen, mit Hilfe von Edge Computing vor Ort verarbeitet werden können, desto sicherer sind diese Daten geschützt. Patientendaten sollten in der Cloud nichts zu suchen haben.

SCHLUSSFOLGERUNG

Edge Computing hilft im Unternehmen, wenn es darum geht, Datenverarbeitung mit sehr geringer Reaktionszeit vor Ort vorzunehmen, Kosten für die Übertragung großer Datenmengen auf Fremdnetzen einzusparen und die Sicherheit der Datenverarbeitung zu verbessern.

Wenn Sie als Manager und Unternehmer auch in Ihrem Unternehmen Anwendungsbeispiele dieser Art sehen, sollten Sie auf ein Experiment zur Einführung von Edge Computing nicht verzichten!

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Zuletzt aktualisiert: 29. Januar 2022

Autor: Malte Friedrich Olm, MBA und Volljurist, Geschäftsführender Gesellschafter einer Corporate Finance-Beratung. Erfahrung aus mehr als 30 Jahren im Kauf und Verkauf von Unternehmen fließen in diese Artikel ein.