FRÜHWARNINDIKATOREN - RISIKOMANAGEMENT BESSER OHNE DEN DAX

Der Deutsche Aktienindex DAX eignet sich in der Praxis der Unternehmensführung im Risikomanagement nicht als Frühwarnindikator: Er läuft der volkswirtschaftlichen Entwicklung nicht vor und ist als Performanceindex in seiner Entwicklung zu stark von Dividendenzahlungen beeinflußt.

Mitte September 2019 erklärte uns die gewöhnlich gut informierte, freundliche junge Dame vor der Tagesschau, dass die Niedrigzinspolitik von Mario Draghi doch auch Erfolge gezeitigt hätte. Sie führte u.a. als Beleg den Anstieg des DAX seit Sommer 2012 (Start des Quantitative Easing – umfangreicher Kauf von Staatsanleihen durch die Europäische Zentralbank) um 70% an. Das klingt beeindruckend, doch dazu gleich.

Nicht nur für die Einschätzung der Wirksamkeit der Arbeit der EZB, sondern auch zur Beurteilung der gesamtwirtschaftlichen Lage hat die Entwicklung des DAX in vielen Unternehmen eine wichtige Indikatorfunktion. In einigen Controllingsystemen wird dieses Finanzbarometer gar als Frühindikator genutzt.

DIE WICHTIGSTEN ECKPUNKTE

Der Reihe nach: Der DAX ist ein Performance-Index, will heißen, dass er die permanente Reinvestition der gezahlten Dividenden unterstellt. Hierin unterschiedet er sich maßgeblich von seinen US-amerikanischen Cousins wie dem Standard&Poor’s 500, die Kurs-Indizes sind, Dividenden also nicht berücksichtigen. Ein Vergleich der wirtschaftlichen Entwicklungen (USA/Deutschland) durch Gegenüberstellen der genannten Indizes ergibt schon deshalb keinen Sinn.

Der eigentliche Wertzuwachs der Aktien im DAX zwischen 2012 und Spätsommer 2019 betrug rund 26% und nicht 70%, was über einen Zeitraum von sieben Jahren gemessen an dem damit verbundenen Risiko kein Qualitätssiegel der Politik von Mario Draghi darstellt. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass der DAX Kursindex mit zur Zeit 5.800 Punkten deutlich unter den Spitzen der Jahre 2000 (ca. 6.200) und 2015 notiert.

WAS IST ZU TUN?

Aus diesem Grunde taugt der DAX – so wie er vor der Tagesschau berichtet wird und im Handelsblatt steht –  als Performance-Index nicht zur Einschätzung der volkswirtschaftlichen Situation in Deutschland. Denn ein Großteil seiner Entwicklung ist auf Dividendenzahlungen und nicht auf den Wertzuwachs der in ihm vertretenen Unternehmen zurückzuführen.

Auch als Frühindikator eignet sich der DAX nicht. Die in ihm enthaltenen Dividenden wurden in der Vergangenheit erwirtschaftet und sagen nichts aus über die Zukunft. Und selbst der DAX Kursindex fiel erst im Oktober 2008 dann signifikant, als die Krise einsetzte; er „läutete“ also, als es schon lichterloh „brannte“. Sollten Sie Ideen zu funktionierenden Frühindikatoren suchen, bieten wir Ihnen den Eintrag Leading Indicators an.

Wenn Sie trotzdem auf den DAX nicht verzichten wollen, besorgen Sie sich unter finanzen.net >index>dax-kursindex ebendiese Variante des Börsenbarometers, welche die im Laufe der Jahre gezahlten Dividenden herausrechnet.

SCHLUSSFOLGERUNG

Sollten Sie als Manager oder Unternehmer funktionierende Frühwarnindikatoren für die volkswirtschaftliche Entwicklung suchen, nutzen Sie besser die Entwicklung der Zinsstrukturkurve oder des FED-Spread (den ‚link‘ dazu finden Sie weiter oben). Der DAX läuft der volkswirtschaftlichen Entwicklung, wie es gerade deutlich im September 2008 zu beobachten war, nicht vor. Folglich ist er kein geeigneter Frühwarnindikator für das Risikomanagement. Verzichten Sie in keinem Fall auf das Monitoring volkswirtschaftlicher Frühwarnindikatoren – aber nutzen Sie die richtigen!

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Zuletzt aktualisiert am 18. März 2020

Autor: Malte Friedrich Olm, MBA und Volljurist, Geschäftsführender Gesellschafter einer Corporate Finance-Beratung.

Erfahrung aus mehr als 30 Jahren bei der Beratung im Kauf und Verkauf von Unternehmen fließen in diese Artikel ein. Jetzt –  während und nach der Coronakrise – dürfte für mutige Manager ein sehr guter Zeitpunkt vorliegen, selbst Unternehmer zu werden. Mut gehört zum Unternehmersein. Wenn Sie von unserer Erfahrung profitieren wollen, nehmen Sie Kontakt mit uns auf – rufen Sie uns unter 0173-8162124 an!