EXPERIMENTE IM UNTERNEHMEN

Experimente im Unternehmen sind zeitlich begrenzte Versuche, mit dem Ziel herauszufinden, wie der Markt auf ein neues oder modifiziertes Produkt oder Dienstleistung reagiert. Häufig dienen sie der Vorbereitung von Entscheidungen – etwa über Investitionen. Experimente können sowohl zu operativen als auch zu strategischen Fragestellungen durchgeführt werden.

Es ist bezeichnend, dass sich in der Literatur viele Definitionen und Darstellungen des Begriffes „Experiment“ finden, die sich auf Naturwissenschaften beziehen, bislang aber nur relativ wenige mit Bezug auf Management. Dabei kommt es immer häufiger vor, dass es die sich schnell verändernden Marktverhältnisse erfordern, eine Lösung einfach auszutesten – eben durch ein Experiment.

Gemeint sind an dieser Stelle selbstverständlich nicht Experimente, die in den Forschungsabteilungen der Unternehmen durchgeführt werden, sondern solche, welche die Unternehmensführung betreffen. Wie kann man sich dem „Experiment“ in diesem Kontext systematisch nähern? Welche Elemente lassen sich etwa aus naturwissenschaftlichen Experimenten übernehmen? Und wie ist sicherzustellen, dass im Unternehmen überhaupt damit begonnen wird, Entscheidungen mit Hilfe von Experimenten vorzubereiten?

DIE WICHTIGSTEN ECKPUNKTE

Allgemein sind Experimente methodisch angelegte Untersuchungen zur empirischen Gewinnung von Informationen. Im Unterschied zur ungestörten Beobachtung werden im Experiment Einflussgrößen kontrolliert verändert / alterniert. Welche Anforderungen lassen sich daraus für einen erfolgreichen „Versuchsaufbau“ im Unternehmen ableiten, wenn statt einer definitiven Entscheidung zunächst eine Lösung einfach getestet wird?

  • Das Management muss sich über ein Mindestmaß an Methodik verständigen, wie das Experiment durchzuführen ist. Der Versuch ist immer zu dokumentieren;
  • Es sollte das Bewusstsein vorhanden sein, dass es sich nicht bereits um die Entscheidung etwa über eine Investition handelt, sondern um das Sammeln von Informationen dazu;
  • Der Versuch muss  zeitlich klar begrenzt sein;
  • Es muss klar definiert sein, wann der Test als Erfolg einzustufen ist.

WAS IST ZU TUN?

Nutzen Sie die Erfahrungen von Microsoft (R. Konavi), die bereits viele Experimente für geschäftliche Entscheidungen durchgeführt haben:

  • Lernen Sie zunächst die metrischen Grundlagen der Betrachtungssituation in einem A/B-Test kennen, bevor Sie alternieren!
  • Quantifizieren Sie die Definition von „Erfolg“!
  • Beachten Sie Twymans Gesetz: Ein Wert, der interessant oder ungewöhnlich erscheint, ist gewöhnlich falsch!
  • Vergegenwärtigen Sie sich immer, dass Korrelation nicht Kausalität ist und führen Sie A/A-Tests durch!
  • Bauen Sie Kapazitäten, um zügig auch Tests (gerade online) in größerem Umfang durchführen zu können!

Die Vorteile der Vorbereitung von Entscheidungen durch Experimente sind vielfältig. Wie ist sicherzustellen, dass dies in Unternehmen auch eingeführt wird und eine ausreichend große Anzahl von Experimenten durchgeführt wird, damit es auch zu einer genügend großen Anzahl erfolgreicher Experimente kommt?

  • Zunächst muss es eine neue Einstellung zu Fehlern geben: Fehler sind nicht mehr Vorfälle, die Versagen oder minderwertige Leistung dokumentieren. Vielmehr sind Fehler Gelegenheit zu lernen! Wenn ein Experiment eine fehlerhafte Einschätzung aufdeckt, kann es dem Unternehmen teure Fehlinvestitionen ersparen, denn die Aufdeckung der Fehleinschätzung erfolgte rechtzeitig – z.B. vor dem Bau einer obsoleten Fabrik oder vor der Einführung eines Produktes ohne ausgreichend großes Marktpotential.
  • Es sollte im Unternehmen Einverständnis bestehen, dass Fakten wichtiger sind als Meinungen, egal von wem diese Meinung auch vertreten wird. Letzteres ist besonders schwierig, wenn ein mittelständischer Unternehmen sich auf eine Meinung festgelegt hat – etwa zu einer Investtition. Auch in diesem Fall muss gewährleistet sein: Zeigt ein zutreffend durchgeführtes Experiment, dass für das Produkt, für welches investiert werden soll, kein ausreichend großes Marktpotential vorhanden ist, so ist das Ergebnis des Experiments maßgebend und nicht die Meinung des Unternehmers.
  • Im Rahmen eines vorgegebenen Satzes an Regeln ist jeder im Unternehmen berechtigt, Experimente zu initiieren. Experimente haben eine hohe Fehlschlagrate. In Unternehmen, die diese Technik schon seit längerer Zeit anwenden, zeigt sich, dass nicht mehr als 10-20% der gestarteten Experimente von Erfolg gekrönt sind. Nur wenn alle Mitarbeiter das Recht haben, Versuche anzuregen, gibt es im Unternehmen eine ausreichend große Zahl von Experimenten, die dann auch zum Erfolg führen.
  • Es müssen Regeln festgelegt werden, die beschreiben, unter welchen Bedingungen die Experimente als ethisch vertretbar anzusehen sind. Ein Beispiel mag das illustrieren: Viele Versuche können sich auf das Marketing beziehen. Gerade bei Werbung im Internet ist die Versuchung groß, die Stimmung der Adressaten zu manipulieren, was als unethisch angesehen wird. Derartige Experimente sind im Vorwege zu unterbinden.

Wer es als Manager oder Unternehmer schafft, im Unternehmen die richtigen Voraussetzungen zu schaffen, dass in ausreichendem Umfang Experimente durchgeführt werden und wie beschrieben die Grundsätze beherrscht, die zur deren erfolgreichen Durchführung notwendig sind, erzielt in seinem Hause erhebliche Verbesserungen: a) Die Qualität der Entscheidungen generell steigt erheblich, weil sie durch Versuche vorbereitet sind; und b) die Kosten von Fehlentscheidungen generell dürften erheblich sinken, da Fehlentwicklungen frühzeitig erkannt werden. Dieser Artikel befasst sich mit Experimenten zur operativen Unternehmensführung. Ausführungen zu strategischen Experimenten finden Sie hier.

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SCHLUSSFOLGERUNG

Nutzen Sie das große Potential von Experimenten im Management und der Führung von Unternehmen! Es ist eine relativ kostengünstige Vorgehensweise, um sich teure Fehlentscheidungen zu ersparen. Auch können Sie schnell am Markt erproben, ob eine neue Idee angenommen wird. Man muss nicht immer wissen „Warum“, um vom „Es funktioniert einfach“ zu profitieren!

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Zuletzt aktualisiert am 6. November 2020

Autor: Malte Friedrich Olm, MBA und Volljurist, Geschäftsführender Gesellschafter einer Corporate Finance-Beratung.

Erfahrung aus mehr als 30 Jahren bei der Beratung im Kauf und Verkauf von Unternehmen fließen in diese Artikel ein. Jetzt –  während und nach der Coronakrise – dürfte für mutige Manager ein sehr guter Zeitpunkt vorliegen, selbst Unternehmer zu werden. Mut gehört zum Unternehmersein. Wenn Sie von unserer Erfahrung profitieren wollen, nehmen Sie Kontakt mit uns auf – rufen Sie uns unter 0173 – 8162124 an!