WIE WIRD NACHHALTIGE UNTERNEHMENSFÜHRUNG ZUM FINANZIELLEN ERFOLGSFAKTOR?

Unternehmensführung oder Management, das auf Nachhaltigkeit – englisch ‚sustainability‘ – ausgerichtet ist, orientiert das Unternehmen an der Vereinbarkeit der geschäftlichen Tätigkeit mit den Erfordernissen der Umwelt. Häufig wird fälschlich davon ausgegangen, dass diese Art von Unternehmensführung nur Geld koste. Richtig verstandene Nachhaltigkeit hingegen trägt heute entscheidend zum finanziellen Erfolg des Unternehmens bei.

Ist der Begriff „Nachhaltige Unternehmensführung“ nicht irreführend? Jede Form der Unternehmensführung sollte nachhaltig sein, denn jedes Unternehmen muss doch mittel- bis langfristig erfolgreich am Markt bestehen. Gemeint ist in der modernen Managementliteratur jedoch die Ausrichtung des Unternehmens auf die schützenswerten Interessen der Umwelt. Das kann in der Produktion die Beachtung des Gewässerschutzes sein, oder im Vertrieb die Minimierung des Ausstoßes von Kohlendioxid, nur um Beispiele zu nennen.

Jahrzehntelang spielten diese Gesichtspunkte – auch in Deutschland – im Management eine eher untergeordnete Rolle. Denn die Kosten für die Inanspruchnahme der Umwelt lagen deutlich unter den zu erwartenden Gewinnen aus dem Verkauf der Produkte, welche die Belange der Umwelt ignorierten. Wer also z.B. in der Produktion die Luft verschmutzte und damit Investitionen in teure Filter sparte, musste lange Zeit dafür keine angemessenen Kosten tragen, die den Gewinn aus der Einsparung geschmälert hätten. Bei dem Einsatz etwa von Dieselfahrzeugen ist das heute noch der Fall. Deshalb ist es auch gegenwärtig nicht immer einfach, den Finanzvorstand oder -geschäftsführer zur Zustimmung zu einem Budget für Investitionen in umweltfreundliche Technologien zu bewegen.

DIE WICHTIGSTEN ECKPUNKTE

Wie können Sie also einen Verantwortlichen für den Finanzbereich des Unternehmens davon überzeugen, die notwendigen Mittel für eine Investition in Nachhaltigkeit zur Verfügung zu stellen?

Dies wird Ihnen tendenziell nicht gelingen, wenn Sie Ihre Argumentation rein auf sogenannte „weiche Faktoren“ aufbauen: Natürlich weiß der Finanzvorstand, dass ein „grünes Projekt“ in Zeiten des Klimawandels die Reputation des Unternehmens steigern kann und für ein gutes (besseres) Image sorgt. Er wird Ihnen entgegenhalten, dass das Projekt nur Geld koste.

Dieses Argument sollten Sie nun positiv umkehren: Jedes Projekt, welches wirklich im Unternehmen etwas ändert, kostet Geld, technisch gesprochen ist es eine Investition. Und ein Unternehmen ist dazu da, in Projekte zu investieren, die sich angemessen rentieren. Da hat der Finanzgeschäftsführer Recht und es ist Ihre Aufgabe zu zeigen, woher die Zahlungsflüsse kommen sollen, um die vorgeschlagene Investition in Nachhaltigkeit zu rechtfertigen.

 WAS IST ZU TUN?

Was sind nun die Faktoren, die nachhaltige Projekte auch zu einem finanziellen Erfolgsbeitrag für das Unternehmen werden lassen?

  • Halten von Marktanteilen

Gerade Kundengruppen mit relativ hoher Kaufkraft gehen heute verstärkt dazu über, Produkte zu erwerben, welche die Umwelt möglichst wenig beeinträchtigen. Welches Unternehmen seinen Marktanteil halten – und damit weiterhin Cash flow generieren will – muss sich auf dieses veränderte Verbraucherverhalten einstellen. Ein Gang über den Wochenmarkt in einem besseren Stadtteil reicht aus um zu prüfen, wie lang die Schlangen vor dem Bio-Stand sind, während sich der Verkäufer am traditionellen Stand langweilt.

  • Erreichen neuer Kundengruppen

Wenn ein Unternehmen sein Produktprogramm um nachhaltige Angebote erweitert, bietet es einer neuen Kundengruppe einen Anreiz, überhaupt bei dem Unternehmen Kunde zu werden. So wird der Gesamtumsatz des Unternehmens gesteigert. Man denke nur an den Discounter Aldi, der mit seinem (höher-margigen) Bio-Programm sicherlich neue Kunden erreicht, die früher eher selten den Weg zu ihm fanden.

  • Innovation

Produzierende Unternehmen oder Dienstleister müssen häufig ihr Angebot überarbeiten, um es verträglicher für die Umwelt zu gestalten. Ist das Unternehmen schnell mit der Vorstellung einer umweltverträglichen Lösung, sind dafür häufig Innovationen nötig. Für eine Übergangszeit kann dann mit innovativen Produkten eine besonders hohe Rohmarge erzielt werden. Als Beispiel mag Tesla dienen, die mit der frühzeitigen Fokussierung auf Elektromobile vorübergehend eine gewisse Alleinstellung am Markt für Automobile erzielten.

  • Produktion

Unternehmen, welche in der Produktion gesteigerten Wert auf Umweltverträglichkeit legen, sind gezwungen, besonders effiziente operative Produktionsmethoden einzusetzen. Diese sind im Ergebnis kostengünstiger. Wenn also Nestlé einen möglichst geringen Anfall von Abwässern anstrebt, schont das die Umwelt und hebt die Effizienz in der Produktion.

  • Risikomanagement

Sowohl in der Produktion als auch in dem Erstellen von Dienstleistungen stellen operative Prozesse, welche umweltverträglich sind, von vorneherein einen Beitrag für eine geringeres Risikoprofil des gesamten Unternehmens dar. Dies kann sich nicht nur in niedrigeren Versicherungsprämien (die etwa bei Bergbauunternehmen sehr hohe Beträge ausmachen können) bemerkbar machen. Ein niedriges Risikoprofil kann Voraussetzung dafür sein, dass Genehmigungsbehörden überhaupt bereit sind, z.B. Erweiterungsbauten in Betracht zu ziehen.

SCHLUSSFOLGERUNG

Diese sechs Fallgruppen samt Beispielen geben ein deutliches Zeugnis davon, dass nachhaltige Projekte eben „nicht nur Geld kosten“, sondern im Gegenteil Voraussetzung dafür sind und in Zukunft immer häufiger sein werden, dass Unternehmen finanziell erfolgreich bleiben.

Noch sind viele Geschäftsmodelle von den Preisvorteilen der Produktionsweisen geschützt, die auf Kosten der Umwelt vorgehen. Diese Geschäftsmodelle wachsen aber nicht mehr. Und sie unterliegen dem Risiko, dass sie über die kommenden Jahre mit erodierenden Marktanteilen zu kämpfen haben werden (Fleisch aus Massentierhaltung) oder zumindest in bestimmten Bereichen ganz verboten werden (Dieselfahrzeuge).

Vorausschauende, nachhaltige Unternehmensführung und Management macht die Natur nicht zum Zentrum aller Entscheidungsfindung (oder gar des Daseins – wie der Prince of Wales es fordert). Kluge Unternehmensführung bezieht die berechtigten Belange des Schutzes der Umwelt in die geschäftlichen Entscheidungsfindungen mit ein. Sie findet dabei in dem beschriebenen Maße Wege, Nachhaltigkeit zu einem finanziellen Erfolgsfaktor werden zu lassen.

Damit wird die Unternehmensführung nicht nur nachhaltig in dem Sinne, dass ihre Entscheidungen die Umwelt schonen. Die Unternehmensführung wird auch nachhaltig in dem Sinne, dass das Unternehmen nachhaltig finanziell erfolgreich bleibt!

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Zuletzt aktualisiert: 01. April 2021

Autor: Malte Friedrich Olm, MBA und Volljurist, Geschäftsführender Gesellschafter einer Corporate Finance-Beratung.

Erfahrung aus mehr als 30 Jahren bei der Beratung im Kauf und Verkauf von Unternehmen fließen in diese Artikel ein. Jetzt –  während und nach der Coronakrise – dürfte für mutige Manager ein sehr guter Zeitpunkt vorliegen, selbst Unternehmer zu werden. Mut gehört zum Unternehmersein. Wenn Sie von unserer Erfahrung profitieren wollen, nehmen Sie Kontakt mit uns auf – rufen Sie uns unter 0173/8162124 an!