Seltene Erden sind chemische Elemente aus der Gruppe der Lanthane, daher auch Lanthanoide genannt. Vorkommen von ‚rare earths‘ gibt es überall auf der Welt, die Einzelvorkommen sind jedoch selten, die abzubauenden Mengen sehr gering. Häufig sind Seltene Erden mit strahlenden Stoffen verbunden, was deren Abbau zusätzlich erschwert. In Deutschland gibt es keine relevanten Vorkommen.

Auf der anderen Seite kommt kaum eine moderne Technologie ohne Lanthanoide aus. Wenn man für Deutschland einen „Länderkonzentrationswert“ für die Abhängigkeit der Einfuhr von Erdöl aus OPEC-Staaten in Höhe von 2093 errechnet, beträgt dieser Wert für die Abhängigkeit von Importen Seltener Erden aus der Volksrepublik China 7336, nach einer Studie der  Deutschen Rohstoffagentur DERA. Die Sicherung des Bedarfs an Seltenen Erden für Unternehmen in Deutschland ist also mehr als relevant.

DIE WICHTIGSTEN ECKPUNKTE

Die Relevanz wird deutlich, wenn man sich die Einsatzgebiete anschaut:

  • Cer wird von Alters her zur Härtung von Waffen eingesetzt;
  • Ohne Dysprosium gibt es keine Dauermagnete für Windkraftanlagen;
  • Erbium findet sich in vielen Lasern, die medizinisch genutzt werden;
  • Ohne Europium leuchtet kaum eine Energiesparlampe;
  • Neodym findet sich auf den meisten Festplatten;
  • Scandium wird für die Produktion von Brennstoffzellen benötigt;
  • Yttrium findet sich im Plasmabildschirm, den Sie gerade benutzen.

Dies sind natürlich nur Beispiele aus einer langen Liste, welche die Abhängigkeit Deutschlands, welches zu 100% von Importen dieser Stoffe abhängt, verdeutlichen sollen. Fast jedes Unternehmen, welches sich mit neuerer Technologie befasst, nutzt direkt oder indirekt Seltene Erden. Auch wenn deren Anteil am den Gesamtkosten gering sein mag, sind die ‚rare Parts‘ doch Voraussetzung für das Funktionieren des Endproduktes wie die vorstehende Liste der Einsatzgebiete beispielhaft aufzeigt.

WAS IST ZU TUN?

2010 nutzte China seinen 95%igen Anteil an den Weltexporten der Seltenen Erden und verknappte das Angebot, was sofort zu einem rasanten Anstieg der Preise einzelner Lanthanoide und Übergangsmetalle führte. Als Reaktion gründeten BASF SE, die Robert Bosch GmbH und die Thyssenkrupp AG eine Rohstoffallianz; diese hielt jedoch nur wenige Jahre. Als die Preise wieder fielen, wurde die Allianz aufgelöst.

Für jedes Unternehmen, das Rohstoffe dieser Art in der Produktion einsetzt, ist es von großer Wichtigkeit, die mittelfristige Versorgungssicherheit diesbezüglich herzustellen. Dies kann durch langfristige Lieferverträge mit Produzenten geschehen. Ob die Versorgungssicherheit ohne eine Beteiligung an dem Abbau vor Ort und insbesondere für mittelständische Unternehmen jeweils alleine sicherzustellen ist, scheint sehr fraglich. In jedem Fall ist eine derartige Beteiligung am Abbau z.B. durch Finanzierung von Erschließungsvorhaben oder Entsendung qualifizierter Mitarbeiter zu prüfen. Weiter ist es dringend zu empfehlen, neben China alternative Bezugsquellen etwa in Kasachstan oder Estland aufzubauen.

SCHLUSSFOLGERUNG

Sollte es nicht Zeit sein, zur Sicherung dieser Importe ein bewährtes deutsches Instrument zu reaktivieren und eine (Import)-Genossenschaft zu gründen? Unter freiwilliger Mitwirkung müßte es für alle deutschen Unternehmen, welche in irgendeiner Form Seltene Erden einsetzen, angesichts von deren strategischer Bedeutung von Interesse sein, sich an einer derartigen Genossenschaft zu beteiligen. Dies wäre ein sehr probates Mittel, um die Versorgung von Unternehmen in Deutschland mit Seltenen Erden sicherzustellen.

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Zuletzt aktualisiert: 26. November 2020

Autor: Malte Friedrich Olm, MBA und Volljurist, Geschäftsführender Gesellschafter einer Corporate Finance-Beratung.

Erfahrung aus mehr als 30 Jahren bei der Beratung im Kauf und Verkauf von Unternehmen fließen in diese Artikel ein. Jetzt –  während und nach der Coronakrise – dürfte für mutige Manager ein sehr guter Zeitpunkt vorliegen, selbst Unternehmer zu werden. Mut gehört zum Unternehmersein. Wenn Sie von unserer Erfahrung profitieren wollen, nehmen Sie Kontakt mit uns auf – rufen Sie uns unter 0173-8162124 an!