NEUE SEIDENSTRASSE - ONE BELT ONE ROAD

Die „One Belt One Road Initiative“ Chinas wird im Deutschen etwas vereinfachend als die Neue Seidenstraße bezeichnet. Es handelt sich um ein Bündel staatlicher Finanzierungsprogramme, die bislag an etwa 60 Staaten ausgereicht wurden. Anders als der Name historisch vermuten ließe, sind Länder sowohl entland der Landroute (Belt), als auch Länder entlang des Seeweges (Maritime Road) beteiligt.

Während wir uns einbilden, dass das worauf es wirklich ankommt, sich in Washington, Brüssel oder London abspielt, wird auf globaler Ebene eine neue Welt in Peking, Moskau, Riad, Ankara und Neu-Delhi entworfen. Historisch gesehen sind dies die Hauptstädte von einer Vielzahl von Ländern entlang der Seidenstraße, die als „Belt and Road Initiative“ auf Betreiben Chinas eine Neubelebung feiert. Mit etwa 60 beteiligten Staaten ist das Projekt von einer Größe, die wirtschaftlich schlicht nicht ignoriert werden kann. Mit Finanzierungszusagen in den unterschiedlichsten Formen über etwa 1 Billion USD durch die chinesische Regierung stellt es die US-amerikanischen Zusagen nicht-militärischer Hilfen (2018) für den gesamten indopazifischen Raum iHv. 113 Mio. USD deutlich in den Schatten.

DIE WICHTIGSTEN ECKPUNKTE

​Die „One Belt One Road Initiative“ ist ein Bündel von Initiativen. Anders als man es vom Namen „Neue Seidenstraße“ her vermuten könnte, ist es kein einheitliches Infrastrukturprojekt, das sich auf einer bestimmten geografischen Achse bewegte. Schon historisch gab es mehrere als „Gürtel“ bezeichnete Landwege, die von China über Zentralasien mit einem Knotenpunkt in Taschkent über den Mittelmeerraum nach Westeuropa gelangten. Demgegenüber führte die ‚maritime road‘ (der Seeweg) von China, an Indien vorbei, östlich oder westlich Afrika umsegelnd ebenfalls nach Europa.

In den Ländern an diesen Routen herrscht heute auf der einen Seite massiver Nachholbedarf an Entwicklung in jeglicher Hinsicht, auf der anderen Seite sind in einigen dieser Staaten erhebliche Rohstoffvorkommen zu verzeichnen (so liegen etwa 80% Seltener Erden in China) und schließlich gibt es eine große und wachsende Bevölkerung, die sich Anschluss an westliche Lebensstandards wünscht. Die „One Belt One Road Initiative“ hat als Ziel, auch mit Hilfe von Digitalisierung bei der Verbesserung der Infrastruktur, des Umweltschutzes und der Städteentwicklung der an den Initiativen teilnehmenden Staaten zu assistieren.

WAS IST ZU TUN?

Auch wenn die Initiativen nicht kohärent sind (Einbeziehung von Venezuela) und einige Staaten nach Projektdurchführung in finanzieller Abhängigkeit von China verbleiben (Pakistan, Laos und Mongolei), ergeben sich für Unternehmen jeglichen Sektors aussichtsreiche Geschäftsmöglichkeiten. Britische Banken hatten 2017 in diesen 60 Ländern höhere Außenstände als Banken des USD- und Euroraumes, Japan und Südkorea zusammen. Folgen Sie den Spuren der britischen Banken, nicht nur in China oder Indien! Lernen Sie auch Länder wie Kasachstan kennen.

SCHLUSSFOLGERUNG

Das Programm der Neuen Seidenstraße, aufgelegt durch die chinesische Regierung, ist ein langfristig angelegtes Projekt. Wer wie im Dezember 2020 selbst die angesehene Financial Times das Programm als nahezu gescheitert ansieht, weil gerade viele Nehmerländer die von China bereitgestellten Kredite nicht bedienen können, verkennt den Charakter des Projektes: Der finanzielle Aspekt ist für die Volksrepublik China zweiträngig. In erster Linie handelt es sich um eine machtpolitische Ausweitung des geopolitischen Einflußbereiches. Ein Land, das gegenüber China seine Kredite nicht bedienen kann, befindet sich in finanzieller, und mithin mittelbar in politischer Abhängigkeit. Deutlich wird das bereits am Beispiel Pakistans, welches im Rahmen dieses Programmes eine viel zu große Finanzierung für Flughäfen aufgenommen hat, an denen Peking nun Schritt für Schritt die Kontrolle übernimmt. Dies kann von erheblicher strategischer Bedeutung sein in einer möglichen kommenden Auseinandersetzung Chinas mit Indien.

Für deutsche Unternehmen gilt, unabhängig davon, was China mit der „One Belt One Road Initiative“ bezweckt: Entlang der Neuen Seidenstraße liegt das Wachstum der nächsten Jahrzehnte; eine große, wachsende Bevölkerung wartet darauf, an westliche Lebensstandards Anschluss zu finden.  ‚Don’t miss the bus!​‘

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Zuletzt aktualisiert: 19. Dezember 2020

Autor: Malte Friedrich Olm, MBA und Volljurist, Geschäftsführender Gesellschafter einer Corporate Finance-Beratung.

Erfahrung aus mehr als 30 Jahren bei der Beratung im Kauf und Verkauf von Unternehmen fließen in diese Artikel ein. Jetzt –  während und nach der Coronakrise – dürfte für mutige Manager ein sehr guter Zeitpunkt vorliegen, selbst Unternehmer zu werden. Mut gehört zum Unternehmersein. Wenn Sie von unserer Erfahrung profitieren wollen, nehmen Sie Kontakt mit uns auf – rufen Sie uns unter 0173-8162124 an!