ESCALATION OF COMMITMENT

‚Escalation of commitment‘ – leider gibt es keine angemessene deutsche Übersetzung dafür – ist das überschießende Pflichtgefühl des Unternehmensgründers oder des langjährigen Chefs gegenüber dem Unternehmen. Die zentrale Führungsfigur kann sich nicht von dem Unternehmen trennen und hält dabei insbesondere an einem ehemals sehr erfolgreichen Geschäftsmodell fest, das nicht mehr den veränderten Marktbedingungen genügt.

Gerade für den Gründer oder langjährigen Geschäftsführer eines erfolgreichen Unternehmens ist es leicht zu übersehen, dass eine neue Strategie notwendig ist. Es ist sehr verführerisch, an einem Geschäftsmodell, welches Wachstum und Größe brachte, überengagiert festzuhalten. In Zeiten der Digitalisierung steigt jedoch selbst ein Marktführer ganz schnell zum Problemfall ab, wenn zu lange eine einstmals erfolgreiche, aber heute dem Marktumfeld nicht mehr adäquate Strategie einfach fortgeführt wird.

Dieses ungesunde Überengagement einer der genannten Personen nennt man englisch ‚Escalation of Commitment‘. Woran erkennen Sie in Ihrem Unternehmen (oder bei sich selbst), ob diese Problematik vorliegt?

DIE WICHTIGSTEN ECKPUNKTE

  • Sie (oder der Gründer) identifizieren sich so stark mit der bestehenden Strategie, dass deren objektive Beurteilung nicht mehr möglich ist;
  • Sie vermuten (wissen es aber nicht), dass Sie als Einziger eine abweichende Meinung hinsichtlich des Geschäftsmodells haben und schlagen nur deshalb keinen Alarm;
  • Sie stellen ein für das Unternehmen zentrales Projekt einfach fertig, obwohl Sie wissen, dass der Wettbewerb über einen überlegenen Ansatz verfügt/ bald ein besseres Produkt einführen wird;
  • Sie führen so ein zentrales Projekt nur zu Ende, weil bei dessen Abbruch ein erheblicher Verlust im Jahresergebnis ausgewiesen werden müsste.

WAS IST ZU TUN?

Die folgenden  Verfahren und Regeln für die Entscheidungsfindung können helfen, die Risiken des beschriebenen Überengagements zu begrenzen:

  • Nutzen Sie objektive, standardisierte Formeln bei wiederkehrenden Entscheidungen wie Investitionsvorlagen!
  • Schaffen Sie ein Umfeld, in dem es generell geschätzt wird, wenn Kollegen abweichende Meinungen kundtun!
  • Kalkulieren Sie immer Alternativen! Der überengagierte Gründer neigt dazu, ohne „Plan B“ zu handeln.
  • Wenn Sie über ein Aufsichtsgremium verfügen, lassen Sie nur jene Mitglieder über eine strategische Initiative entscheiden, die diese nicht initiiert haben!

Unterschätzen Sie nicht die Komplexität dieses Themas, denn es erfordert viel Mut, offen gegen den erfolgreichen Gründer oder langjährigen Geschäftsführer und sein Geschäftsmodell Stellung zu beziehen. Auch erfordert es viel Mut von einem langjährigen, erfolgreichen Unternehmer, sich dieses Problem einzugestehen. Doch wer heute strategische Trägheit bekämpft – ist der Gewinner von morgen!

SCHLUSSFOLGERUNG

Mit dem übertriebenen Festhalten des Gründers oder langjährigen Chefs eines Unternehmens geht regelmäßig das Festhalten an einem überkommenen Geschäftsmodell einher. Die Neigung hierzu ist besonders groß, wenn die Strategie ursprünglich sehr erfolgreich war. Das Festhalten daran stellt aber gerade in Zeiten sich schnell wandelnder Marktbedingungen eine erhebliche Gefahr für das Unternehmen dar. Dies zu erkennen und in angemessener Form zu benennen erfordert Mut – ist aber zum Wohle des Unternehmens unerläßlich.

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Zuletzt aktualisiert: 26. November 2020

Autor: Malte Friedrich Olm, MBA und Volljurist, Geschäftsführender Gesellschafter einer Corporate Finance-Beratung.

Erfahrung aus mehr als 30 Jahren bei der Beratung im Kauf und Verkauf von Unternehmen fließen in diese Artikel ein. Jetzt –  während und nach der Coronakrise – dürfte für mutige Manager ein sehr guter Zeitpunkt vorliegen, selbst Unternehmer zu werden. Mut gehört zum Unternehmersein. Wenn Sie von unserer Erfahrung profitieren wollen, nehmen Sie Kontakt mit uns auf – rufen Sie uns unter 0173-8162124 an!